Die Atmosphäre ist der beste Anlass

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Waclaw Wielopolski - "Unser" 105 Kilometer-Mann für die #glücklsläufer Aktion

Waclaw läuft 105 Kilometer und bringt 7000 Höhenmeter beim Gran Trail Courmayeur hinter sich

Was bewegt ihn, solche Ultrastrecken zu laufen?

Mit unserer #Glücksläufer Aktion sammeln wir je gelaufenen Kilometer einen Euro für die CFI-Kinderhilfe. Als wir uns die Aktion im Rahmen der #denkst18 ausdachten, waren wir uns nicht sicher, ob wir die von uns gesetzten 1000 Kilometer überhaupt vollbekommen würden.

Ein paar Tage nach dem Start und den ersten Bildern der Zieleinläufe, trudelte bei mir eine E-Mail ein. Waclaw schrieb, er würde demnächst 105 Kilometer laufen und diese Kilometer gerne spenden. Ich schaute zweimal hin. Nein, das musste ein Verschreiber sein. Stadtlauf, ja. Halbmarathon, ok. Marathon, nun denn. Aber 105 Kilometer und 7000 Höhenmeter?! Nein, das muss sich hier um eine Spammail handeln. Sie kam aber nicht aus Nigeria und versprach Reichtum, sondern aus Nürnberg. Ich musste Waclaw unbedingt zu einem Interview treffen.

Immer mit einem Lächeln auf den Lippen sitzt er neben mir auf dem Sofa in einem Café in Schwabach, das ich für das Interview ausgesucht habe. Der studierte Chemiker kam über seinen Bruder zum Laufen. Auch wenn deren Vater, solange er denken kann, Marathon lief, war es der ältere Bruder, der ihn zum Stadtlauf motivierte.

Sport stand für Waclaw immer ganz oben. Nachdem er 1989 mit seinen Eltern aus Polen nach Deutschland kam, war es der einfachste Weg, Anschluss zu finden. Über den Sportverein. Hier faszinierte ihn Ringen. Mehr als Fußball. Ringen war für lange Jahre die Sportart schlechthin.

2011 war es dann für ihn soweit. Es sollte gleich ein Marathon sein. Wenn schon, denn schon. Sie trainierten für drei Monate und starteten. Es machte Spaß, aber es war eher eine Pflichtübung. In Regensburg lief Waclaw den Marathon mit einem Schnitt von 6 Minuten. Nicht herausragend, wie er jetzt rückblickend sagt, aber okay. Und ein Weckruf für den Ehrgeiz. 2012 folgte der Fürth Marathon.

Doch ewig dieselbe Runde, so Waclaw, ist nicht das, was ihn motiviert, weiterzumachen. Es musste eine andere Strecke her. Eine andere Art Herausforderung. Abschalten können, vom Alltag und vom beruflichen Eingespanntsein. Er stellte sich die Frage, wo dies am besten gelingen mochte?

... es geht los

… es geht los

Ultratrails sind Herausforderung pur

Die Wahl fiel auf sogenannte Ultratrails. Beispielsweise der Zugspitz Ultratrail und in diesem Jahr der Gran Trail Courmayeur in Italien. Hier ist jeder Schritt eine Herausforderung. Da, wo man auf Marathonstrecken oder dem Stadtlauf auf gut ausgebauten Strecken unterwegs ist, ist hier nahezu Querfeldein-Laufen angesagt. „Der Weg ist das Ziel, nicht unbedingt die Zeit“, so Waclaw. „Man muss schon genau aufpassen, wo man hintritt!“ Oftmals wird nachts gestartet. Unterwegs gleicht es eher Trampelpfaden. Und das bei Dunkelheit. Ausgerüstet mit einer sehr lichtstarken Stirnlampe und kleinem Notfallzubehör. Dabei hat der Nachtlauf etwas Entspanntes. Wenn man in den Morgen läuft und nach einem Gipfel schließlich die Sonne aufgeht. Fast eine Einladung zum Meditieren. Aber es liegen noch etliche Kilometer und Höhenmeter vor ihm. Als Ziel: dieses Mal unter 20 Stunden.

Wir drücken die Daumen.

Tipps für einen Laufeinstieg

Vielleicht hat dich immer schon das Laufen gereizt, aber so richtig „Klick“ hat es bisher nicht gemacht. Am besten gleich mit den Tipss für einen Laufeinstieg beginnen

  • Nicht zu schnell beginnen und zu viel wollen
  • Das Laufen soll entspannt sein, man soll sich wohlfühlen dabei
  • Nur so schnell laufen, dass man sich entspannt unterhalten kann
  • Es zählt zuerst nur die Ausdauer, nicht die Zeit

Und wie geht es weiter, wenn man schon solche Strecken hinter sich hat? Wohin geht dann die Reise? Es lockt der Trans Alpin Run. Ein Etappenlauf. Mehrere Tage durch die Berge. Zusammen mit seinem Bruder, der ihn zum Laufen brachte.

PS: Heute trudelte auch die Mail von Waclaw nach dem Lauf ein:

Den Lauf habe ich auch ganz gut überstanden, mein 20-Stunden-Ziel aber aufgrund von Bauchkrämpfen auf den letzten 15-20km ganz knapp verpasst. Eigentlich war ich die ganze Zeit ziemlich gut unterwegs, so dass auch eine Zeit um die 18 Stunden in Reichweite war, am Ende überquerte ich nach 20h04m als 35. von 306 (34. von 273 Männern) das Ziel in Courmayeur. Das Wetter hat entgegen der Vorhersage nicht ganz so mitgespielt, weswegen ich auch nicht ganz so viele Fotos machen konnte, wie ich wollte. Anfangs am Morgen und Vormittag lief man bei angenehmer sommerlicher Hitze, dann jedoch bei strömendem Regen und stürmischem Wind beim Anstieg auf knapp 2900m, gefolgt von sehr windigen Trocken- und Regenphasen bis hin zu Gewittern in der Nacht. Daher hat der “Glücksläufer”-Aufkleber den Zieleinlauf leider nicht mehr miterlebt.

Wenn du Waclaw bei Instagram folgen magst, findest du hier seinen Account.

Möchtest du auch deine Laufkilometer beisteuern und #glücksläufer sein? Hier gibt es die Infos bei uns…
Auch wenn du selbst nicht läufst, kannst du die Aktion unterstützen. Dafür gibt es bei der CFI-Kinderhilfe eine eigene Spendenseite.

Sven

Bloggender Zwillingsvater im fränkischen Exil. Espressotrinkend, meersuchend. Mitbegründer der denkst.net

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